Daumen hoch

8+1 Wege ein Open-Source-Projekt ohne Code zu unterstützen

Der folgende Text stammt im Original von Tobias Pfeiffer. Ich habe ihn (teilweise etwas frei) ins Deutsche übersetzt. Den neunten Punkt (Hilf bei der Übersetzung) habe ich selbst hinzugefügt. Der Originaltext und diese deutsche Version sind unter CC BY-SA 4.0 erschienen.

Wenn ich mit EntwicklerInnen über Open Source spreche oder Texte zum Thema lese, bekomme ich oft das Gefühl, dass es bei Open-Source-Projekten nur um Code und Commits geht. Anders gesagt: „Wenn du einem Projekt keinen neuen oder angepassten Quelltext hinzufügst, trägst du nichts dazu bei“. Aus meiner Sicht stimmt das nicht. Und ich will euch erklären, wieso.

Klar, Quellcode spielt eine grundlegende Rolle in jedem Projekt. Aber das heißt nicht, dass man nur als ProgrammiererIn mithelfen kann. Denn Projekte sind in der Regel ganze Ökosysteme. Es geht um mehr als Code. Hier stelle ich euch ein paar weitere Dinge vor, mit denen ihr an einem Projekt mitarbeiten könnt.

 

1) Melde Fehler und gib Feedback

Wenn die BetreiberInnen eines Projekts einen Fehler nicht kennen, können sie ihn auch nicht ausbessern. Deshalb ist es wichtig, dass du Fehler, die du findest, meldest, statt einfach ein anderes Programm zu benutzen oder das Problem anderweitig zu umgehen. Die meisten Projekte freuen sich über Fehlerhinweise. Nimm das Fehlermelden dabei nicht auf die leichte Schulter: Um einen guten Fehlerbericht zu schreiben, benötigt man oft ziemlich viel Zeit. Im Idealfall enthält ein Fehlerreport Code, mit dem sich das Problem reproduzieren lässt, Informationen über das erwartete und das tatsächliche Ergebnis eines Schritts, Informationen über dein System und die von dir benutzten Programmversionen und vielleicht einen Stacktrace oder ähnliches. Ich selbst schreibe auch gerne noch ein paar anerkennende Sätze für die EntwicklerInnen dazu, aber das ist natürlich optional. Neben dem Schreiben eines Fehlerberichts besteht natürlich auch die Möglichkeit, Hinweise zu möglichen Verbesserungen zu geben oder von dir gewünschte Features aufzuzählen. GitHub erkennt dabei sogar die Wichtigkeit solcher Hinweise an, indem für deinen Beitrag Punkte vergeben werden können – yay!

 

2) Schreibe an der Dokumentation mit

Eine Dokumentation ist für ein Projekt sehr wichtig. Allerdings haben viele Projekte keine oder nur eine sehr unvollständige Dokumentation. Hier kannst du oft wirklich gut helfen, indem du es für Leute einfacher machst, sich mit einem Projekt vertraut zu machen. Und wenn du es beispielsweise selbst schwierig gefunden hast, ein Projekt zu verstehen, versuche doch die Dokumentation zu verbessern, damit die nächste Person es einfacher hat.

 

3) Verbessere die Website

Viele Open-Source-Projekte haben ihre eigene Website. Manchmal sind die Informationen auf dieser Seite sehr veraltet und manchmal ist die Seite einfach hässlich. Ich erinnere mich an die alte Shoes-Website. Die war ziemlich unschön und wirkte vollkommen tot (zumindest waren das meine ersten Eindrücke). Aber schaut sie euch mal jetzt an! Sie sieht gut und vorzeigbar aus. Vor allem aufgrund der Hilfe von wpp. Er hat nie an Shoes mit programmiert, aber mit der Verbesserung der Website trotzdem einen großartigen Beitrag zum Projekt geleistet.

 

4) Hilf beim Design

Viele Projekte würden sich sehr über ein neues Logo, Illustrationen für ihrer Website oder ähnliches freuen. Wenn du dabei helfen kannst, frag doch bei deinem Lieblingsprojekt, ob sie vielleicht deine Hilfe brauchen. Ich weiß, dass sie sich darüber sehr freuen werden!

 

5) Nutze Testversionen

Um zu wissen, ob und wie ihre Software funktioniert, benötigen EntwicklerInnen Feedback. Deshalb veröffentlichen viele Projekte Alpha-Versionen oder einen Release Candidate. Teste diese Programmversionen! Wenn dann alles funktioniert, hast du sichergestellt, dass es auf deinem System keine Probleme gibt. Wenn du einen Bug findest, melde ihn! Das ist eine große Hilfe für jedes Projekt.

 

6) Beteilige dich an Diskussionen

Manchmal gibt es Diskussionen über API-Veränderungen oder über Wege, wie eine Anwendung verbessert werden kann. In diesen Diskussionen freuen sich die meisten EntwicklerInnen auch über Beitrage von NutzerInnen. Ich habe einmal einen ganzen Tag damit verbracht, ein paar Probleme eines Projekts zu diskutieren. Das hat Spaß gemacht. Außerdem besteht vielleicht die Möglichkeit, einen Leitfaden zu erstellen. Eric Watson hat das für Shoes gemacht – einen Tag lang. Er ist ein großartiger Programmierer, aber dieser Leitfaden hat dem Projekt mehr geholfen als jeder Code, den er in der selben Zeitspanne hätte schreiben können.

 

7) Beantworte Fragen

Zu jedem Projekt tauchen ständig neue Fragen auf. Sei es bei Stack Overflow oder über eine Feedback-Funktion des jeweiligen Programms. Wenn du diese Fragen beantwortest, hilfst du den Leuten dabei, das Projekt richtig zu nutzen. Vergiss außerdem nicht, dass eine Frage auch auf ein tiefer liegendes Problem hinweisen kann. Vielleicht sollte man die Dokumentation an einem bestimmten Punkt verbessern oder es gibt einen häufigen Arbeitsschritt, der automatisiert werden könnte oder eine bessere API benötigt?

 

8) Stelle ein Projekt anderen vor

Es gibt da draußen viele großartige Projekte, aber EntwicklerInnen und NutzerInnen können diese Projekte nur nutzen, wenn sie sie kennen! Wenn du ein Projekt wirklich magst, überleg dir doch, es einer lokalen Gruppe oder sogar auf einer Konferenz vorzustellen. Dadurch erhöht sich die Verbreitung des Projekts. Das bedeutet: Mehr Menschen nehmen daran teil und helfen dabei, es zu verbessern.

 

9) Hilf bei der Übersetzung

Viele Open-Source-Projekte liegen auch nach Jahren nur auf Englisch vor. Wenn du selbst noch weitere Sprachen beherrschst, kannst du bei der Übersetzung eines Projekts helfen. Das gilt sowohl für die Website oder die Dokumentation als auch für das Programm selbst. Im Fall von Open-Source-Spielen freuen sich viele NutzerInnen beispielsweise, wenn die Menüs und Texte auch in ihrer Sprache verfügbar sind. Wenn du bei der Übersetzung eines Projektes helfen möchtest, schau auf der Website, ob andere schon daran arbeiten. Das ist noch nicht der Fall? Dann frag die EntwicklerInnen, ob du damit beginnen kannst!

 

Schlusswort

Wenn du schon einen oder mehrere dieser Schritte unternommen hast: Danke! Du hast dich an freier Software beteiligt! Mach weiter, wenn es dir gefällt. Und falls du jetzt nach dem Lesen dieses Beitrags damit beginnen willst, ein Open-Source-Projekt zu unterstützen, kannst du dir noch den Artikel „How to get started with contributing to open source“ durchlesen. Für mich persönlich ist die Mitarbeit an freier Software bisher eine erstaunliche Reise gewesen. Ich genieße die Arbeit an diesen Projekten sehr – sie hat mir zu vielen neuen Freundschaften verholfen.

 

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